Cybersicherheit

Frauen in der Cybersicherheit: Warum die Schließung der Geschlechterlücke entscheidend ist

Female System Engineer Controls Operational Proceedings. In the Background Working Monitors Show Various Information.

Bei der Diskussion über den Frauenmangel in den Technologiefeldern geht es in der Regel um grundlegende Fragen: Was ist es, was ist an den Technologiefeldern, was Frauen von der Teilnahme abhält und was können die Menschen vor Ort tun, um ein besseres Gleichgewicht zu erreichen?

Neuere Erkenntnisse haben jedoch gezeigt, dass das Problem noch tiefer sitzt, als viele es sich vorstellen können und dass verschiedene Technologiebereiche darunter leiden, weil Frauen sich nicht mitwirken. Möglicherweise spürt kein anderer Bereich diese Belastung mehr als die Cybersicherheit, vor allem in Bezug auf die arbeitszeitliche intensive Belastung der Experten.

Da immer mehr von dem was wir tun, auch mit Online-Cybersicherheit zu tun hat, werden die Ansprüche an diese in Zukunft noch kritischer werden. Leider gibt es einfach nicht genug Leute, die entsprechend geschult werden, um diese Nachfrage zu befriedigen. Experten glauben bereits, dass es eine Million unbesetzte Arbeitsplätze im Bereich der Cybersicherheit gibt: Eine Zahl, die von einigen Forschern prognostiziert wird ist, dass bis ins Jahr 2022 der Bedarf auf 1,8 Millionen anwachsen wird. Während ein Teil dieser Lücke sicherlich dadurch geschlossen werden könnte ist, dass mehr Männer davon überzeugt werden, in das Feld der Cybersicherheit wechseln, kann andererseits versucht werden, auch Frauen zu diesem Schritt zu ermutigen und damit einen großen Beitrag zur Schliessung der kritischen Lücke zu leisten.

Dr. Roman V. Yampolskiy, Informatiker an der University of Louisville, bekannt für seine Arbeiten zur Verhaltensbiometrie, zur Sicherheit von Cyberwelten und zur Sicherheit künstlicher Intelligenz, ist der Ansicht, dass “kognitive Vielfalt in jedem Entscheidungsprozess extrem wichtig ist”.

Die meisten Leute haben eine Vorliebe für diejenigen, die genauso denken wie sie selber, deshalb ist es wichtig, dass Branchenführer explizit nach Gegensätzen Ausschau halten, die das Denken des Teams auf eine neue Ebene heben können. Das Schaffen einer Kultur, mit gegenseitigen Respekt vor andersdenkenden, Offenheit und Mut. Mitarbeitende, die bereit sind, ihre Meinung zu äußern, sollen geschätzt und gefördert werden.

Leicht zu Vermitteln

Umfragen zeigen, dass junge Frauen im Großen und Ganzen wahrscheinlich an Cybersicherheit interessiert sind, wenn sie über das Feld informiert und sogar ermutigt werden, ernsthaft darüber nachzudenken. Eine von Kaspersky durchgeführte Umfrage unter 2‘000 Frauen im Alter von 16 bis 21 Jahren ergab, dass 72 Prozent eine Karriere anstreben, für die sie sich begeistern können. Da 83 Prozent der Befragten angaben, dass sie Cybersicherheit nicht für ein langweiliges Feld halten, liegt es nahe, dass es ausreichen kann, Frauen einfach nur über das Feld zu unterrichten, um sie zu ermutigen dieses weiterzuverfolgen. Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, dass ihnen im Bereich der Cybersicherheit ein gutes Gehalt wichtig ist . Die hohen Gehälter, von denen weitere Steigerung erwartet wird, können als starker Anreiz dienen.

Vielfalt beeinflusst die Leistung

Manche Leute interessieren sich wenig für Vielfalt; was macht das für einen Unterschied, fragen sie, ob das Feld überwiegend männlich ist? Die Forschung hat jedoch immer wieder gezeigt, dass eine größere Vielfalt der Belegschaft zu einer besseren Leistung führt. Die in Bereichen, die von einem Geschlecht dominiert werden, übliche Groupthink-Mentalität kann zu einem Mangel an Einsicht führen, und Bereiche wie die Cybersicherheit benötigen ein breites Spektrum an Sichtweisen, um alle Möglichkeiten effektiv zu berücksichtigen. Eine glückliche Belegschaft ist tendenziell eine bessere Belegschaft, und andere Studien haben gezeigt, dass vielfältigere Büroumgebungen zu einer größeren Zufriedenheit der Mitarbeitenden führen. Wenn mehr Frauen ermutigt werden, in der Cybersicherheit zu arbeiten, können Arbeitsplätze besetzt werden, aber es wird auch zu einer höheren Produktivität in allen Bereichen führen.

Kritische Masse

Einer Umfrage zufolge machen Frauen nur 11 Prozent der Cybersicherheits-Belegschaft aus, während eine anderere diese Zahl auf 14 Prozent anhebt. Viele Frauen, vor allem junge Frauen, sehen diese Zahlen und finden, dass das Feld einfach nicht akzeptabel ist. Die Erhöhung dieser Zahl wird den Frauen zeigen, dass es für sie einen Platz in der Cybersicherheit gibt und das Erreichen einer kritischen Masse kann zu einem Erdrutschsieg für Frauen führen, die ihren Beruf als eine lebenslange Karriere für sich ansehen. Die Fähigkeit, sich selbst in Vorbildern oder Lehrern zu sehen, kann einen großen Beitrag dazu leisten, dass die Cybersicherheit gewährleistet werden kann.

Laut Chuck D. Brooks, Vorsitzender des New and Emerging Technologies Committee bei CompTIA, kann und sollte die Geschlechterlücke “geschlossen werden”.

Cybersicherheit muss keine überwiegend männliche Domäne sein. Während wir uns weiter in das neue digitale Zeitalter hineinentwickeln, ergeben sich neue Möglichkeiten, und die eigentliche Aufgabe besteht darin, Frauen in die aufstrebenden Berufsfelder der Cybersicherheit zu bringen.

Schliessung der Lohnschere

Wenn der Cybersicherheitsbereich mehr Erfolg bei der Gewinnung von Frauen haben will, kann er sich auf das Lohngefälle konzentrieren. Frauen in Cybersicherheitsbereichen verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen, und obwohl diese Kluft immer kleiner zu werden scheint, kann das Stigma als mächtige Barriere wirken. Mittel- und langfristig können sich die Unternehmen darauf konzentrieren, Frauen die Ausbildung zu bieten, die sie benötigen, um die Karriereleiter zu erklimmen, und Mentoring und Führungstraining können große Investitionen für Unternehmen sein, die Frauen anziehen wollen.

Bekämpfung von Diskriminierung

Nach Ansicht vieler ist die Diskriminierung im Bereich der Cybersicherheit schockierend häufig. Eine Umfrage, die von Veracode und dem Center for Cyber Safety and Education durchgeführt wurde, ergab, dass mehr als 15 Prozent der Männer berichteten, dass sie Diskriminierung am Arbeitsplatz erfahren. Bei den Frauen liegt diese Zahl bei 51 Prozent. Noch beunruhigender ist, dass die Berichte über Diskriminierung bei Frauen, die erfolgreich die Karriereleiter hochgestiegen sind, gestiegen sind, wobei 67 Prozent der Führungskräfte auf der C-Ebene diskriminiert wurden. Ein proaktiver Ansatz gegen Diskriminierung wird ein Eckpfeiler der Branche sein, um die geschlechtsspezifische Lücke zu schließen.

Der Bereich der Cybersicherheit sollte sowohl für Männer als auch für Frauen verlockend sein, da die Nachfrage und die Gehälter voraussichtlich deutlich steigen werden. Obwohl die meisten Männer in diesem Bereich Frauen willkommen heißen und ermutigen würden, in das Feld einzutreten, ist die Diskriminierung immer noch weit verbreitet und viele junge und talentierte Frauen entscheiden sich dafür, in Bereiche einzutreten, in denen sie besser vertreten sind. Glücklicherweise gibt es Schritte, die die Industrie unternehmen kann, um diese Probleme zu beheben, und einige Studien zeigen messbare, wenn auch kleine Fortschritte. In Zukunft wird das Feld jedoch keine andere Wahl haben. Um die Arbeitsplätze zu besetzen, die das Feld fordert, ist es unerlässlich, die Frauen zu erreichen.


Über die Autorin

Frauen in der Cybersicherheit: Warum die Schließung der Geschlechterlücke entscheidend ist TechNativeLudmila Morozova-Buss ist Vice President of Public Relations and Media Communications am Global Institute for IT Management (GIIM) & Executive Partner bei Brooks Consulting International (BCI) – einer auf Cybersecurity und Emerging Technologies spezialisierten Boutique für globales Marketing, Branding und Government Relations.

Am Global Institute for IT Management (GIIM) unterstützen wir IT- und Nicht-IT-Führungskräfte bei der Überwindung von Unsicherheiten, sind gut vorbereitet auf die Herausforderungen der digitalen Transformation und führen Organisationen zum Erfolg im Wandel.

*Übersetzt von Heinz V. Hoenen